11.09.2012: ESUG-Schutzschirmverfahren

Das Erfolgsmodell Insolvenz in Eigenverantwortung.

Das „Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen”, kurz ESUG ist auf scheinbar unumkehrbarem Weg die Insolvenzpraxis in Deutschland grundlegend zu verändern.
Dabei ist der Gedanke einer Sanierung in der Insolvenz eigentlich widersprüchlich, weil der Begriff Insolvenz im Gedächtnis der meisten Menschen bereits fest mit der Abwicklung gescheiterter Unternehmen verbunden ist.

Demgegenüber bietet die Insolvenz in Eigenverwaltung insbesondere Unternehmen die Möglichkeit einer Sanierung, die aus eigener Stärke nicht dazu in der Lage sind. Das Insolvenzrecht gibt diesen Unternehmen starken Werkzeuge an die Hand, sich z.B. von
• belastenden Beschäftigungsverhältnissen und
• ruinösen Verträgen leichter zu lösen oder
• mit den Gläubigern aus einer strategisch besseren Position verhandeln zu können.

Im ESUG-Schutzschirmverfahren profitiert das Unternehmen somit von den Regelungen im Insolvenzrecht ohne selbst nach dem klassischen Verständnis insolvent zu sein, also abgewickelt zu werden. Das Wort Insolvenz sollte allerdingst auch im Schutzschirmverfahren nach ESUG nicht seinen Schrecken verlieren. Denn im Grunde genommen bewegt sich das Unternehmen auf einem Seil über der flüssigen Lava. Klappt etwas nicht, kann aus der aussichtsreichen Sanierungsplanung während des ESUG-Schutzschirmverfahrens schnell eine Abwicklung im Insolvenzverfahren werden. Ein Beispiel hierfür ist die Winterlinger Firma Fischer-Draht mit ehemals etwa 150 Beschäftigten, die im ESUG- Schutzschirmverfahren offenbar keinen Konsens mit der Gewerkschaft finden konnte und jetzt aller Wahrscheinlichkeit nach im Insolvenzverfahren abgewickelt wird.

Um diesen WORST CASE, also den Fall in die Lava möglichst unmöglich zu machen, bedarf es eines Sicherungsseils, ausgedrückt in einer professionellen Planung möglichst weit vor Antragstellung des Schutzschirmverfahrens nach ESUG. Diese Planung sollte in Form eines Projekts organisiert sein, geleitet von einem Experten. Idealerweise kommt dieser von außen in das Unternehmen und bringt eine frische Sichtweise auf die Problemstellung mit. Bereits in der Projektplanungsphase wird er offen mit den Gläubigern, Gewerkschaften und Mitarbeitern sprechen, wodurch möglichen späteren Überraschungen weitestgehend vorgebeugt werden kann. In Zusammenarbeit mit der Unternehmensleitung entwickelt der Experte die optimale Strategie sowie die Taktiken, um eine sichere Umsetzung der geplanten Sanierung zu gewährleisten. Insgesamt entsteht so ein stabiles Sicherungsseil für ein erfolgreiches Schutzschirmverfahrens nach ESUG.
 
Artikel von Jörg Franzke, Rechtsanwalt
www.schutzschirmverfahren-esug.de