02.12.2014: Erfolg ist, wenn alle an einem Strang ziehen!

ALSA GmbH erfolgreich restrukturiert

Erfolg ist, wenn alle an einem Strang ziehen. Eine Rückblende.

„Teilverkauf und Standortverlagerung der ALSA GmbH. 280 Mitarbeiter sind betroffen“. Das war der Stand im Sommer 2013. Heute steht das Werk besser da als zuvor. Was ist passiert?

Rückblende

Im August 2013 erfuhren Medien und die Belegschaft der ALSA GmbH von einem geplanten Teilverkauf des Werkes in Uerzell. Ziel war es innerhalb kurzer Zeit das Fremdgeschäft zu verkaufen und alle nicht zum Fremdgeschäft gehörenden Anlagen und Mitarbeiter an den Standort nach Görlitz zu verlagern. 280 Mitarbeiter wären von dieser Maßnahme möglicherweise betroffen, von denen viele über 50 Jahre alt, beziehungsweise un- oder angelernte Kräfte waren.

Es gab gute Gründe für die Verkaufs- und Verlagerungs-Pläne. Die in die Jahre gekommene Produktion im Steinauer Ortsteil Uerzell erschien nicht mehr wirtschaftlich. Die schwierige Gebäudesituation (unter anderem die Hanglage und dadurch bedingt mehrstöckigen Werksgebäude, sowie das weitläufige Areal) wie auch das schwächelnde Geschäft mit Fremdkunden gaben den Ausschlag für diese Entscheidung. Das Werk in Görlitz verfügt dagegen über einen modernen Maschinenpark und viel Platz für Expansionen. Mit einer Zusammenlegung und Straffung der Produktion wollte sich das Unternehmen wirtschaftlich positiv ausrichten. Außerdem sah man die hohe Wertschöpfungstiefe in Uerzell kritisch. Wer braucht im Zeitalter der schlanken Produktion noch einen eigenen Aluminium-Formenbau?

Die Lage schien eindeutig, ein Ausweg war nicht in Sicht. Möglich wurde die positive Wende durch den Schulterschluss der Beschäftigten mit der Geschäftsleitung unter Führung von Peter H. Riedel. Beide Seiten haben den Standort in einem gemeinsamen Kraftakt auf die Erfolgsspur zurückgebracht. Die Gemeinschaftsleistung hat auch die Gesellschafter überzeugt und dazu bewegt ALSA in der Region eine neue Perspektive zu geben.

Im Gespräch mit der Industrie & Handelskammer Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern beschreibt Peter H. Riedel die Entwicklung.

Klarer Auftrag

Als Peter H. Riedel im Dezember 2013 die Geschäftsleitung der ALSA GmbH übernahm, hatte er einen klaren Auftrag. „Verkauf eines Teils des Werkes in Uerzell mitsamt dem Formenbau. Verlagerung der übrigen Produktion nach Görlitz und Abwicklung des Betriebs in Uerzell. Alles möglichst schnell.“ Mit Riedel engagierte man einen erfahrenen Manager, der in den letzten 20 Jahren viele Unternehmen in kritischen Situationen erfolgreich unterstützt hat. Die von ihm und Partnern 2002 in Augsburg gegründete „peritas management GmbH“ hat sich auf die Themen Change Management und Interimsmanagement spezialisiert. Seine Auftraggeber profitieren von Riedels technischen Kenntnissen als Ingenieur, seinem fundierten betriebswirtschaftlichen und IT Know-how, sowie seiner schnellen Auffassungs- und Analysefähigkeit. Ihn zeichnet aus, dass er sich schnell in neue Themen einarbeitet, kritische Fragen stellt und eigene Schlüsse zieht. Perfekt für die Herausforderungen bei ALSA.

Analyse und Umsetzung: Anders als gedacht

Nur wenige Tage nach Arbeitsbeginn stellte Riedel fest, dass die gewünschte Abwicklung des Auftrages nicht so einfach werden würde. Da waren zum einen die alten, aber bestens gewarteten und für eine flexible Produktion ausgelegten Sondermaschinen. Ein Umzug würde ihnen wahrscheinlich schaden. Die hochautomatisierten Anlagen in Görlitz dagegen lassen sich mit den kleinteiligen Serien aus Uerzell nicht wirtschaftlich auslasten.

Ebenso wichtig war der zweite Faktor: Das spezifische Know-how der Mitarbeiter in Uerzell. Dieser wertvolle Erfahrungsschatz lässt sich nur schwer dokumentieren und kurzfristig verlagern. Auffallend war, dass neue Leiharbeiter 6-9 Monate brauchen sollten, um auf die Arbeitsleistung der Stammbelegschaft zu kommen. Die Erkenntnis: Die manuelle Produktion in Uerzell ist weitaus komplexer als zunächst angenommen. Mit ihrer langen Betriebszugehörigkeit wissen die Mitarbeiter vieles über die spezifischen Eigenheiten der verwendeten Natur-Materialien, was für neue Kräfte nur schwer nachvollziehbar ist. Mit jeder neuen Charge werden kleinste manuelle Anpassungen intuitiv vorgenommen, wozu Maschinen nicht in der Lage wären. Riedels Erkenntnis: Das Erlernen der manuellen Arbeitsschritte ist leicht. Der Umgang mit den naturgemäß schwankenden Material-Eigenheiten ist aber das Ergebnis eines langen Lern-Prozesses.

Nach einer ausführlichen Analyse der Produktionsprozesse war klar: In Uerzell gibt es eine deutlich höhere Bandbreite an technischen Möglichkeiten zur Produktion in Bezug auf die orthopädischen Anforderungen und natürlichen Materialien. Beide Standorte, Uerzell und Görlitz, haben ihre Stärken, aber bei hunderten unterschiedlicher Fußbetten ergibt sich ein sehr spezieller Produktmix, dessen Herstellung sich nur schwer in einem einzigen Werk vereinen lässt. Der hohe Automatisierungsgrad sorgt in Görlitz für große Stückzahlen, aber auch für weniger Flexibilität. Die Umrüstung der Anlagen ist zeitraubend, was bei kleineren Serienfertigungen die Kosten massiv nach oben treibt. Und nachdem der Mutterkonzern sowohl eine Steigerung im Bereich der Standardprodukte als auch bei speziellen Premiumprodukten signalisierte, lag die Schlussfolgerung auf der Hand: Mit dem Standort in Uerzell hat der Mutterkonzern ein großes Potenzial, um neben der industriellen Massenfertigung auch mit einer Manufaktur am Markt glänzen zu können.

Zeit nutzen und handeln

Noch während die Verhandlungen über einen Verkauf von Werksteilen liefen, konnte mit einem wichtigen Schlüsselkunden eine langfristige Abnahmevereinbarung geschlossen werden. Parallel zu den Verhandlungen begann Riedel die Produktion in Uerzell zu optimieren. Und weil kurzfristig kein zahlungsbereiter Investor zu finden war, hatte er etwas sehr kostbares gewonnen: Zeit. Mit Hilfe einer engagierten Belegschaft gelang es die Abläufe zu verbessern und damit die Produktionsleistung innerhalb von vier bis fünf Monaten bei gleichbleibender Qualität deutlich zu steigern.

Das Ergebnis: In Görlitz wird die Massenfertigung weiter kräftig ausgebaut. Dagegen werden in Steinau-Uerzell vor allem Kleinserien und Prototypen produziert und Entwicklungstypen realisiert. Das heißt, in Uerzell werden mit viel Handarbeit bis zu 50 verschiedene Produktgruppen hergestellt. Eine ausgefeilte Werksplanung und der Einsatz moderner Informationssysteme (Management Cockpit) bilden alle verfügbaren Anlagen mit ihrer Leistungsfähigkeit jederzeit transparent ab. Weiterhin bedient das Werk nicht nur seine Konzernmutter, sondern auch diverse externe Kunden und deren Marken. Alle Beteiligten können auch in Zukunft auf die hohe betriebliche Flexibilität in Uerzell zählen. Der werkseigene Formenpark wird weiter im Werk gewartet und kontinuierlich überarbeitet. Die Mitarbeiter beherrschen die gesamte Bandbreite der Herstellung von Aluminiumformen, das macht den Betrieb unabhängig und interessant.  

Die Menschen im Mittelpunkt

Die Wende ist das Ergebnis einer großartigen Mannschaftsleistung, die auch die Eigentümer überzeugte. So gelang es nach schwierigen Tarifverhandlungen den Standort mit Hilfe eines Tarifvertrags und einer bis 2017 laufenden Standortgarantie zu sichern, inklusive wichtiger Umstrukturierungen in der Belegschaft. Die Restrukturierungsmaßnahmen zeigen Wirkung. Erste Vertriebserfolge haben die Planungssicherheit deutlich erhöht. Die ALSA GmbH hat es geschafft. Sie bleibt bestehen - weil alle an den Erfolg geglaubt und sich dafür eingesetzt haben.

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