09.01.2013: Neues zum Thema Fortf├╝hrungsprognose

Seit Ende 2012 haben Fortführungsprognosen eine noch größere Bedeutung für Krisenunternehmen bekommen

Zum Jahresende 2012 sind zwei wesentliche Voraussetzungen geschaffen worden, die für Unternehmen, Geschäftsführer und Banken mehr Rechtssicherheit bei Krisenunternehmen zur Folge haben: Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW ) hat den seit über einem Jahr im Entwurfsstadium befindlichen Standard S6 zur fachlichen Erstellung von Sanierungskonzepten und Fortführungsprognosen endgültig verabschiedet ,und der Gesetzgeber hat noch rechtzeitig zum Jahresende das Gesetz zur Entfristung von Überschuldungen als Insolvenzantragsgrund verabschiedet. Hierdurch ist klargestellt worden, dass eine Überschuldung einer Kapitalgesellschaft allein kein Insolvenzantragsgrund mehr ist, sofern eine positive Fortführungsprognose vorliegt.

Was ist eine positive Fortführungsprognose?

Diese wird im IDW-Standard S6 ausführlich geregelt. Dieser Standard stellt die fachliche Grundlage zur Erstellung von Fortführungsprognosen und Sanierungskonzepten dar.

Fortführungsprognose und Sanierungskonzept sind Begutachtungen und Einschätzungen über die wirtschaftliche Fortführungsfähigkeit bzw. Sanierungsfähigkeit eines Unternehmens. Die positive Fortführungsprognose ist sozusagen „die kleine Schwester“ des Sanierungskonzeptes.

Die Fortführungsprognose enthält ebenso wie das Sanierungskonzept eine gründliche Analyse des Ist-Zustandes des Unternehmens. Das „Herzstück“ bildet eine integrierte Unternehmensplanung (Ergebnis-, Liquiditäts- und Bilanzpostenplanung) sowie einen Ausblick auf die mögliche Fortführungsfähigkeit des Unternehmens.

Die Fortführungsprognose wird in der Regel von externen Gutachtern erstellt, kann jedoch auch rechtlich zur Vermeidung einer Insolvenzantragspflicht von der Geschäftsführung selbst aufgestellt werden. Die Entwicklung von Sanierungskonzepten ist ausschließlich externen Gutachtern vorbehalten und umfasst zusätzlich zu der Fortführungsprognose eine ausführliche Analyse des aktuellen Krisenstadiums, des Marktumfeldes des Unternehmens, der Wettbewerbsfähigkeit und der Möglichkeit, wieder ein attraktives Unternehmen für Geldgeber im Eigenkapital- und Fremdkapitalbereich zu werden.

Das IDW hat in seinem Standard S6 hier relativ klare und deutliche Aussagen getroffen, die sich zum größten Teil deutlich abheben von den eher vagen Formulierungen früherer Versionen. Das folgende Schaubild verdeutlicht die wesentlichen Unterschiede.

IDW S6 (bisher)

IDW S6 (neu)

Beachtung der Rechtsprechung, aber kein direkter Bezug

Nennung der jeweils relevanten BGH- oder OLG-Köln-Rechtsprechung

Umfassend, kaum individuelle Verwendung

Weiterhin umfassend, jedoch explizite Möglichkeit zur Anpassung des Umfangs an das jeweilige Unternehmen

Zweistufenkonzept vorgesehen

Zweistufenkonzept noch bedeutender, da zuerst Insolvenzantragsgründe ausgeschlossen werden müssen

Leitbild als Überleitung von Analyse zu Maßnahmen

Leitbild ergänzt umfassendere Beschreibung des Geschäftsmodells

Sanierungsfähigkeit bedingt branchenübliche Rendite und Eigenkapitalausstattung

Sanierungsfähigkeit bedingt branchenübliche Renditefähigkeit und Attraktivität für Kapitalgeber

Schlussbemerkung je nach Auftrag

Schlussbemerkung Kernbestandsteil mit Aussage zur Sanierungsfähigkeit

Umsetzbarkeit der Maßnahmen angenommen

Bestätigung des Managements, dass die Maßnahmen umsetzbar sind und der Wille dazu vorhanden ist

Was ist ein Sanierungskonzept?

Ein Sanierungskonzept, das die nachfolgenden Grundsätze beachtet, erfüllt gleichermaßen die betriebswirtschaftlichen Anforderungen an eine nachhaltige Gesundung des Unternehmens wie auch die rechtlichen Anforderungen, wie sie von der Rechtsprechung aufgezeigt wurden.

Grundlage jeder nachvollziehbaren, schlüssigen Darstellung der Sanierungsfähigkeit eines Unternehmens ist die Erarbeitung eines Sanierungskonzepts. Ein derartiges Konzept enthält in seinem ersten Teil Aussagen über tatsächliche wesentliche Unternehmensdaten, Ursachen- und Wirkungszusammenhänge sowie rechtliche und ökonomische Einflussfaktoren. Es beschreibt dann auf der Grundlage einer systematischen Lagebeurteilung die im Hinblick auf das Leitbild des sanierten Unternehmens zu ergreifenden Maßnahmen und quantifiziert deren Auswirkungen im Rahmen einer integrierten Liquiditäts-, Ertrags- und Vermögensplanung (integrierte Planung).

Das Sanierungskonzept muss hinsichtlich der vorgesehenen Beiträge der betroffenen Interessengruppen (vor allem der Gesellschafter, der Kreditgeber, des Managements und der Arbeitnehmer) sowie bezüglich der Umsetzung der erforderlichen operativen und strategischen Restrukturierungsmaßnahmen realisierbar sein.

Bei der Beauftragung ist deutlich zu kennzeichnen, ob es sich um ein Sanierungskonzept im Sinne des IDW-Standards handelt oder ob nur Teilbereiche eines solchen Konzepts Gegenstand der Aufgabenstellung sind, wie z. B. die Erstellung einer Liquiditätsplanung zum Zwecke einer Fortbestehensprognose oder einer weitergehenden Fortführungsprognose nach § 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB auf Grundlage einer integrierten Planung.

Die Anforderungen dieses IDW-Standards sind nach dem pflichtgemäßen Ermessen des Erstellers unter Beachtung des jeweiligen Einzelfalls anzuwenden. Bei kleineren Unternehmen sind das Ausmaß der Untersuchung und die Berichterstattung ggf. an die geringere Komplexität des Unternehmens anzupassen. Bei allen Aufgabenstellungen ist in dem Bericht des Erstellers der Umfang des Auftrags kurz zu beschreiben. Für den Fall, dass es sich nicht um ein umfassendes Sanierungskonzept handelt, ist auf die nicht bearbeiteten Teilbereiche explizit hinzuweisen.

Kernbestandteile eines Sanierungskonzepts nach IDW S6 sind:

  • Die Beschreibung von Auftragsgegenstand und -umfang
    (vgl. Tz. 24 ff.)
  • Basisinformationen über die wirtschaftliche und rechtliche Ausgangslage des Unternehmens in seinem Umfeld, einschließlich der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage
    (vgl. Tz. 44 ff.)
  • die Analyse von Krisenstadium und -ursachen (vgl. Tz. 47 ff.), einschließlich der Analyse, ob eine Insolvenzgefährdung vorliegt
  • Darstellung des Leitbilds (vgl. Tz. 88 ff.) mit dem Geschäftsmodell des sanierten Unternehmens
  • die Maßnahmen zur Bewältigung der Unternehmenskrise und Abwendung einer Insolvenzgefahr (vgl. Tz. 98 ff.)
  • ein integrierter Unternehmensplan (vgl. Tz. 129 ff.)
  • die zusammenfassende Einschätzung der Sanierungsfähigkeit
    (vgl. Tz. 150 ff.)

Die Gliederung eines Sanierungskonzepts kann sich an dieser Darstellung der Kernbestandteile orientieren. Nur auf der Grundlage dieser Kernbestandteile kann eine Aussage zur Sanierungsfähigkeit abgeleitet werden; die Beurteilung nur einzelner Problembereiche und Maßnahmen reicht hierfür nicht aus.

Quelle: bdp aktuell - Nachrichten für den Mittelstand, Fortführungsprognosen, in: bdp aktuell Ausgabe 92 | Januar 2013